Über die Geschichte und Standorte des Museums

Die Geschichte des Museums im Frey-Haus und im Steintorturm begann mit der Gründung des Historischen Vereins zu Brandenburg an der Havel im Jahre 1868. Der Steintorturm gilt als erster Museumsstandort der Stadt. Seit 1923 ist das Museum im Gebäude des Frey-Hauses in der Ritterstraße ansässig. Seitdem ist dieses Haus der Ort des städtischen Geschichtsgedächtnisses.

Zur Geschichte des Museums im Frey-Haus

Frauenkopf, Backstein, 14./15. Jh.

Die Anfänge des Museums sind in der Gründung des Historischen Vereins zu Brandenburg an der Havel zu sehen. Der Verein hatte sich zur Aufgabe gestellt, heimatgeschichtliche Forschungen zu betreiben sowie Zeugnisse der Vergangenheit zu sammeln und zu bewahren. Zur Unterbringung und zur Ausstellung der gesammelten Kulturgüter nutzte der Historische Verein von 1887-1923 den im 15. Jahrhundert als Bestandteil des neustädtischen Befestigungsringes errichteten Steintorturm. Die ungenügende Platzkapazität und die ungünstigen Ausstellungsbedingungen im mittelalterlichen Gemäuer ließen den Historischen Verein 1923 in das Frey-Haus des Brandenburger Blechspielzeugfabrikanten Ernst Paul Lehmann in der altstädtischen Ritterstraße 19 (heute 96) wechseln. Mit dem Übergang des Frey-Haus-Komplexes im Jahre 1936 von den Erben Lehmanns an die Stadt Brandenburg sowie 1939 durch die vom Historischen Verein vorgenommene Übereignung des Museums mit seinen Beständen ebenfalls in den Besitz der Stadt begann die eigentliche Geschichte des städtischen Museums in Brandenburg an der Havel.

Zur Geschichte des Frey-Hauses

Frey-Haus, vor 1895

Das Frey-Haus wurde 1723 auf Betreiben von Oberst von Massow, Kommandeur des Königsregimentes Friedrich Wilhelm I. ("Lange Kerls"), im barocken Stil erbaut. Für das ehemalige Massowsche Palais verwendete man Steine der 1722 auf Befehl des „Soldatenkönigs“ abgerissenen Marienkirche auf dem Marienberg. Das imposante Hauptgebäude mit dem Mansardendach, unterschiedlichen Geschosshöhen und einem sehenswerten Treppenhaus sowie einem von Fachwerkgebäuden umgebenen kopfsteingepflasterten Hof und anschließenden Garten ist das einzige erhaltene barocke Gebäude-Ensemble der Stadt Brandenburg.Die Bezeichnung "Frey-Haus", d.h. der Erlass aller bürgerlichen Steuern, ist auf das Jahr 1751 und auf König Friedrich II. zurückzuführen. Nach Oberst von Massow bewohnten das Frey-Haus weiterhin alle Regiments-Kommandeure des Infanterieregiments Nr. 36. Zeitweilig beherbergte es auch eine Orgel- und Spinettfabrik, bis der Spielzeugfabrikant E. P. Lehmann das Frey-Haus im Jahre 1912 erwarb. Die historische Aufnahme (um 1895) zeigt die bauzeitliche Treppe vor dem Haupteingang - kurz vor ihrem Abriss. Die heutige Treppe wurde im Jahre 2006 wiedererrichtet.

Zur Geschichte des Steintorturms

Erinnerungstafel am Steintorturm, Ende 1920er Jahre

Zu den Meisterwerken mittelalterlicher Baukunst in Brandenburg gehört der Steintorturm. Er war Bestandteil des Stadtbefestigungsringes der Neustadt und schützte das südliche Tor der Neustadt an der Heer- und Handelsstraße Magdeburg – Berlin und repräsentiert gleichzeitig Macht und Wohlstand im Spätmittelalter. Urkundlich erstmalig genannt wurde der Turm im Jahre 1433. Mit dem Bau soll um das Jahr 1380 begonnen worden sein. Restaurierungsarbeiten fanden 1886, 1925, 1951, 1965 und 1993-95 statt. Der Turm ist fünfgeschossig. Der Rundturm hat einen Durchmesser von 11,0 m. Die Gesamthöhe beträgt 31,5 m. Bis zum Anfang des Hauptgesimses sind es rund 21 m, darüber erhebt sich der Zinnenkranz mit 3,9 m und die kegelförmige Helmspitze mit 6,6 m. Eine Adlerfigur aus Kupferblech bekrönt die Spitze. Das Fundament besteht aus Granitsteinen. Die Backsteinmauern des Körpers sind im unteren Bereich  3,53 m, im obersten Geschoss 2,27 m stark. Die Treppen sind durchgehend in der Mauerdicke angelegt. Das zweite und vierte Geschoss hat Kaminanlagen, das Dritte ein Abort. Der Turm diente als Wehrturm und als Gefängnis.

Zur Nutzungsgeschichte des Steintorturms

Steintorturm an der Steintorbrücke

Von 1887 bis 1923 war der spätgotische Backsteinturm Sitz des Historischen Vereins, der seit 1868 bestand. Auch für Ausstellungen und zur Bewahrung der wachsenden Sammlungen des Historischen Vereins wurde der Steintorturm seit 1887 genutzt. Er ist damit der älteste Museumsstandort in der Stadt Brandenburg. In den 1930er Jahren diente das Bauwerk als Treffpunkt der Hitlerjugend, nach 1939 als Luftschutzraum. Von Juni 1945 bis Ende 1946 kam hier die Jugend des katholischen Pfarramtes zusammen, danach die Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend. Seit Mitte der 1960er Jahre zeigte das Stadtmuseum Sonderausstellungen im Steintorturm. Wegen erheblicher baulicher Schäden am Bau musste der Turm 1988 geschlossen werden. Nach einer umfassenden Sanierung 1993 bis 1995 wurde der Steintorturm im April 1995 mit einer Ausstellung zur Stadtgeschichte wieder als Museum eröffnet.

Der Steintorturm ist als einziger der noch erhaltenen vier Wehrtürme in der Stadt vom Erdgeschoss bis zum Wehrgang über eine Treppe begehbar und ganzjährig öffentlich zugänglich. Er beherbergt heute eine interessante Ausstellung zur Brandenburger Havelschifffahrt im 19. und 20. Jh. und zur Geschichte des industriellen Schiffbaus in der Stadt. Durch seine Lage am alten Schleusenkanal/ Stadtkanal und der Schleusenanlage, die über Jahrhunderte die einzige Verbindung zwischen Ober- und Unterhavel für die gewerbliche Schifffahrt durch die Stadt war, bietet sich der Turm geradezu für dieses Thema an. Ständige Exponate im 4. Geschoss sind der Adler, der wegen seines schadhaften Zustandes seinen jahrhundertealten Standort, die Turmspitze, 1993 verlassen musste und durch eine Nachbildung ersetzt wurde, ein Lapidarium sowie aufwendig gestaltete gusseiserne Ofenplatten aus dem 17. bis 19. Jh. Vom Wehrgang des Turmes ist ein weiter Rundblick über die Neustadt Brandenburg möglich.

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